
Geheimwaffe Schulhund? – Eine Art Erfahrungsbericht
„Was, ein Schulhund? Da kann ich ja gleich mein Pony mitnehmen…“ – so die erste, eher unwillige Aussage eines Kollegen, als das Thema „Schulhund“ vor Jahren zum ersten Mal aufgekommen ist. So manche erste Reaktion war skeptisch. Was sich seit dieser ersten Aussage des Kollegen geändert hat, ist enorm: Unser Schulhund hat ein Standing! Nicht nur das, wir haben mittlerweile sogar zwei davon! SchülerInnen, Eltern und KollegInnen nehmen an ihrem Alltag teil, sie feiern mit ihnen Geburtstag und Weihnachten und sie leiden mit den Hunden, wenn eine vertretene Pfote oder ein verdorbener Magen Thema ist. Kurzum, sie gehen mit ihnen durch Höhen und Tiefen.
Und das hier sind sie! – Alois und Ludo stellen sich vor
Alois
Hallo du!
Wer du bist, das weiß ich noch nicht, aber wer ich bin, das kann ich dir sagen: Mein Name ist Alois, ich bin der Hund von der Frau Gilhuber, bei ihr zuhause wohne ich und mit ihr gehe ich zwei bis drei Mal die Woche ins AKG in den Deutsch-, Religions- und Kunstunterricht. Dort lernen mich meine Klassen als einen ziemlich neugierigen, aufmerksamen und gelehrigen Hund kennen, der im Klassenzimmer auf seinem Kuschelkissen aber auch ganz gut zur Ruhe kommt.
Einige meinen ja, ich wäre ein schwarzer Pudel, aber das täuscht! Ich bin ein Labradoodle f1b mini, d.h. meine Mama ist eine Mischung aus Labrador und Zwergpudel und mein Papa ist ein Kleinpudel. Tada! Und herausgekommen bin ich! Mit dem Pudel liegt man also nicht ganz falsch…
Ich komme aus der Nähe von Karlsruhe und zwar von den Schokodoodles. Daher auch mein eigentlicher Name „Ulf of funny paws“, das heißt so viel wie „Ulf von den lustigen Pfoten“, aber Frauchen meinte beim ersten Blick in meine braun-schwarzen Augen: Das ist kein Ulf, das ist ein Alois - was zu einigen Lachern in meinem Heimatdorf geführt hat. Der Name „Alois“ ist da nicht sehr geläufig.
Geburtstag habe ich übrigens am 29. September. Manchmal singen mir dann meine Klassen ein Geburtstsagsständchen – da freu ich mich immer riesig drüber und jaule auf Kommando fleißig mit! So ein Spaß!
Hm. Was kann ich dir noch alles erzählen… In den Freundebuchseiten stehen dann so Sachen wie „Mein Lieblingsessen“ – tja, da bin ich „a bissal gschleckad“, und darüber ist Frauchen auch ganz froh! Fressen soll ich als Schulhund nämlich nicht alles. Mit den Leckerchen von Frauchen bekommt man mich aber schon dazu, alle möglichen Tricks zu machen, ich bin nämlich im Herzen ein Trickhund – Streicheleinheiten hole ich mir am liebsten selber ab, aber die Grundkommandos wie Sitz, Platz und Co und Tricks wie Männchen, Peng, mich drehen, Pfote geben etc. mache und übe ich von Herzen gern.
Ähnlich wie bei euch Menschenkindern muss ich das Gelernte immer wieder wiederholen, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Und das mach ich auch ganz regelmäßig, wenn ich das, was ich bei der Ausbildung zum Schulhund gelernt habe, in Erinnerung rufe.
Wer da bei der Ausbildung auch jede Menge gelernt hat, das ist Frauchen: Vom medical training über die Erstellung von Schulhundregeln hin zu den rechtlichen Vorgaben zum Schulhundeeinsatz – es ist ein bunter Blumenstrauß an vielen wichtigen Punkten, die es zu wissen und zu beachten gibt, damit es euch und natürlich auch mir in unserer gemeinsamen Zeit an unserer Schule gut geht!

Ludo
Wortspeicher
neugierig, schüchtern, verschmust, leicht ablenkbar, chaotisch, dödelig, schusselig, verspielt, albern, charmant, clever, sensibel, nervös, wuschelig
Hey du!
Wenn es einen Lückentext gäbe, in den man ein Adjektiv, das mich beschreibt, einsetzen müsste, dann würde jedes aus dem Wortspeicher passen.
Zunächst mal Grundlegendes: Ich heiße Ludo und mein Geburtstag ist am 14. Februar, dem Valentinstag. Ob ich wirklich genau da das Licht der Welt erblickt habe, das weiß niemand so genau. Es kann auch sein, dass meine Finder so verzaubert von mir waren, dass sie meinten, dass ich nur ein Valentinstagshund sein kann. Mir fliegen die Herzen der Menschen sehr schnell zu, das liegt wohl daran, dass ich auch so viel Liebe und Zuneigung zu schenken habe und mich richtig doll freuen kann, wenn ich die Menschen, die ich in mein Herz geschlossen habe, sehe.
Eigentlich will ich überall ganz neugierig hindüsen, ich traue mich aber noch nicht immer so, denn es gab in meinem Leben auch schon Menschen, die es nicht so gut mit mir gemeint haben. Deshalb gehe ich manchen Situationen noch lieber aus dem Weg: Weniger ist da manchmal noch mehr, deshalb steht auch auf meiner Wunschliste für unsere gemeinsame Zeit am AKG, dass du mir ein wenig Zeit lässt, bis ich genügend Mut gefasst habe, um zu dir hinzugehen, dich zu beschnüffeln und dich kennenzulernen.
Ich komme aus dem Tierschutz in Bulgarien von dem Verein „Grund zur Hoffnung“ – und die Hoffnung habe ich wirklich nie aufgegeben! Immerhin bin ich jetzt hier. Damit ich die unschönen Erfahrungen vergesse und schneller Vertrauen fasse, arbeitet mein Frauchen ganz viel mit mir.
Außerdem ist der Alois in der Schule immer an meiner Seite, das gibt mir Sicherheit und ich kann mich an ihm orientieren. Wenn ich mich doch einmal erschrecke oder von meinem eigenen Mut überrumpelt bin, dann kommt der Alois und spielt mit mir und zeigt mir, dass alles gar nicht so wild ist.
Alois ❤ Ludo – BFF
Die Doro, das war meine Vermittlerin in Rumänien, meinte, dass in mir ein Lagotto Romagnolo drinsteckt. Das ist ein Trüffelsuchhund, der gern mit der Nase arbeitet und schnüffelt. Mein Tierarzt vermutet, es könnte auch ein Spaniel in meiner Ahnentafel zu finden sein – das hat er wohl aus meinen langen, weichen Schlappohren geschlossen – wer letztlich meine Eltern- und Großelternhunde waren, das bleibt wohl ein Geheimnis. Mein Frauchen sagt, ich sei eine gelungene Mischung und sie würde mich genau so lieb haben, wie ich bin.

Warum ein Schulhund? – Wirkungen der hundegestützten Pädagogik
„Ein Hund im Klassenzimmer, was ist das wieder für eine neumodische pädagogische Spielerei…“ – so ein Vater bei einem Fünftklasselternabend. Nach nur wenigen Wochen hat er dazu eine Antwort geliefert: Das ist keine Spielerei, das ist Hunde-Arbeit! Alois und auch Ludo machen zu einem Großteil ihrer Zeit nichts anderes als präsent zu sein. Aber die bloße Anwesenheit des Tieres verändert etwas im Einzelnen und in seinem Beziehungsleben. Viele verschiedene Aspekte spielen diesbezüglich eine Rolle: Dass Hunde den Blutdruck senken, also eine körperliche Wirkung auf die Menschen in ihrer Umgebung haben, weiß man spätestens aus der pet protect-Werbung, die regelmäßig im TV läuft. Neben physischen Auswirkungen sind auch psychische wie soziale Folgen von Mensch-Tier-Interaktionen zu messen. Menschen bauen zu Tieren, vor allem zu solchen, denen sie einen Namen geben, eine besondere sozio-emotionale Beziehung auf – ein Schulhund, der einen Namen hat, der bestimmte Vorlieben und Charaktereigenschaften hat, ist für viele SchülerInnen ein konkret wahrgenommenes Gegenüber, eine kleine tierische Persönlichkeit, in unserem Fall:
- Alois, der neugierige Clown und wuselige kleine Rechthaber, der hin und wieder ganz gerne das letzte Wort hätte, Tricks über alles liebt und der mit seiner Lebendigkeit und Art der Kommunikation, einem Grummeln und Brummen, zum Lachen bringt, und
- Ludo, der etwas schüchterne Hundemann, der so gerne in Kontakt treten möchte, sich aber nicht übermütig in jede Begegnung hineinstürzt, sondern sich vorsichtig herantastet und der sich dementsprechend auch ein vorsichtiges und ruhiges Gegenüber wünscht.
Dieses unsichtbare Band zwischen Mensch und Tier scheint ein sehr festes zu sein. Damit es das werden kann, braucht es für den Schulhundeeinsatz eine Umgebung, die von Vertrauen und Ruhe geprägt ist, und die vor allem eins ist, nämlich angstfrei. Rituale mit dem Hund, zum Beispiel bei der Begrüßung, gehören an dieser Stelle genauso dazu wie feste Regeln. Und wenn ein Kind Angst hat, dann hat dies Priorität. Nur so können Erfolgserlebnisse ermöglicht werden, ohne dabei SchülerInnen oder den Schulhund zu überfordern.
Verschiedene Bereiche, auf die die Anwesenheit eines Hundes Einfluss hat
- Soziale Auswirkungen:
Stärkung von Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl, Beziehungen; Bestärkung von Aufmerksamkeit; Schaffung von Kommunikationsanlässen - Psychische Auswirkungen:
Erhöhung und Förderung von Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Motivation; besseres Klassenklima; emotionaler Türöffner; Hemmung von Angst - Physische Auswirkungen:
Verringerung von Stress – Senkung von Puls, Herzfrequenz, Muskelspannung
Schulhundklassenzimmer und Schulhundregeln
Da am AKG kein Lehrer- oder Fachraumprinzip, sondern ein Klassenraumprinzip eingeführt ist, ist es eine kleine Besonderheit, dass es seit dem Schuljahr 2023/24 ein festes Schulhundklassenzimmer gibt.
Das kommt eventuellen Allergikern und hundeangstgeplagten SchülerInnen entgegen und ermöglicht unseren beiden Vierbeinern ein gesichertes und vertrauteres Umfeld, um ihren Alltag in der Schule entspannter zu gestalten.
Dieses Schulhundklassenzimmer befindet sich in E29. Dort finden sich folgende Elemente: ein verschließbarer Faltkennel, ein Hundekissen, ein Wassernapf, eine Hygienebox mit den entsprechenden Utensilien, ein Erste-Hilfe-Set, zwei verschiedene Arbeitsteppiche, ein erhöhter Mülleimer sowie Türschilder, die die Anwesenheit der Hunde im Klassenzimmer ankündigen.
Zudem gibt es Infomaterial, Bücher, Denkspielzeug für den Hund und diverse andere Arbeitsmittel für oder über den Hund in einem Schrankfach. Der Raum verfügt über Waschbecken, Seifenspender und Tücher – zur Einhaltung der Hygieneregeln ist diese Ausstattung unerlässlich. In den Pausen bzw. in Freistunden wird den Hunden zudem Auslauf ermöglicht, damit sie sich erleichtern können. Dass der Raum im Erdgeschoss in der Nähe zweier Ausgänge liegt, ist deshalb günstig.
Sobald Alois und Ludo in einem Raum sind, wird ihre Anwesenheit mithilfe eines Türschilds außen am Klassenzimmer/Ruhezimmer bekanntgegeben, damit mögliche Eintretende vorgewarnt sind.
Türschilder zu Alois’ und Ludos AnwesenheitsstatusVor und im Schulhundklassenzimmer sind die Schulhundregeln und die Streichellandkarte ausgestellt. Um den neuen Fünftklässlern die Regeln bekannt zu machen, dürfen sie in Zusammenarbeit mit den KunstlehrerInnen die Schulhunderegeln illustrieren bzw. erarbeiten sie sich im Unterrichtsgespräch die Streichellandkarte unserer Schulhunde.
Im Schulhundeklassenzimmer und davor permanent ausgestellt: Schulhunderegeln
Material für die (Vor-)Arbeit mit Klassen: Blanko-Streichellandkarte (zusätzlich benötigt: bunte Klebepunkte)Wie wird ein Hund Schulhund?
Eine gute Aus- und Weiterbildung von Hund und Halter ist für dieses Arbeitsfeld wichtig. Inzwischen gibt es neben Begleit- und Therapiehundeausbildungen auch spezielle Schulhund-Ausbildungsmöglichkeiten. So hat Frau Gilhuber mit Alois 2022/2023 berufsbegleitend die Ausbildung zum Schulhundeteam beim Bayerischen Schulhund e. V. absolviert, mit Ludo hat sie 2024/25 bei der Hundeschule Amperland dasselbe Programm besucht.
Die Ausbildung befasst sich sowohl mit praktischen Signalen für den Schulalltag (Deckentraining, Sitzdose, etc.) als auch mit theoretischen Inhalten, die ganz unterschiedliche Bereiche ansprechen: die Rolle des Hundes in der Gesellschaft wird genauso behandelt wie die Körpersprache des Hundes, mit der er letztendlich mit uns Menschen kommuniziert. Ein weites Feld!
Ausschlaggebend ist letztendlich aber immer das Wesen des Hundes. Die Vierbeiner werden deshalb während der Ausbildung hinsichtlich ihrer Entwicklung und ihres Verhaltens beobachtet und analysiert. Unsere beiden Schulhunde haben folgende Einschätzungen bestätigt bekommen:
Der Schulhund Alois ist ein freundlicher, aufgeweckter, manchmal etwas clownesquer Hund, der aufmerksam seine Umgebung im Blick hat und interessiert aufnimmt, was um ihn herum geschieht. Menschen gegenüber ist er aufgeschlossen, er nähert sich ihnen freudig zum Kennenlernen und Beschnuppern an, ist aber auch nicht an jedem Kontakt interessiert. Streicheleinheiten holt er sich bei Bedarf selbst ab. Zu stürmische Aktivitäten meldet er, indem er Laut gibt. Gegenüber fröhlichem Spiel mit dem Ball oder Tricktraining ist er immer aufgeschlossen. Er mag, wenn man sich mit ihm beschäftigt und er spielerisch lernen darf, dabei steht er gerne im Mittelpunkt und bietet manchmal aus Eifer mehr an als gefordert. Hier kommt sein Pudelerbe und sein Will-to-Please zum Vorschein. Auch seine Ruhephasen nimmt er gerne wahr. Sein Frauchen ist hier und auch sonst sein erster Bezugspunkt.
Der Schulhund Ludo ist ein Mischlingsrüde aus dem Auslandstierschutz mit sehr viel Potenzial. In seiner Brust schlagen mehrere Herzen: Zum einen ist er aufgrund seiner Herkunft und Geschichte ein schüchterner und zurückhaltender Hund, der sensibel auf neue Reize reagiert und sich nur vorsichtig und sehr umsichtig annähert. Zum anderen ist er ein wahrer Schwerenöter, der dem Menschen sehr zugewandt ist und prinzipiell neugierig in die Welt blickt und Bekanntem mit schwanzwedelndem Enthusiasmus begegnet. Aufgrund seines jagdlichen Erbes aus den vermuteten Lagotto – Griffon – Spanielwurzeln ist er ein leidenschaftlicher Nasenarbeiter, der im Wald und auf der Wiese aufmerksam Gerüche und Bewegungen verfolgt. Bislang läuft er deshalb auch nur an der (Schlepp-)Leine. In der Schule zeigt er sich zurückhaltend, aber interessiert. Wenn die SchülerInnen geduldig mit ihm arbeiten, dauert es meist nicht lange, bis er sich wohlig an sie schmiegt und Streicheleinheiten einfordert. Ludo kann kleinere Tricks, ist im Herzen aber mehr der Schmusehund.