„Damit haben wir doch noch gar nichts zu tun“, wirft ein Schüler anfangs in die Runde und ist mit dieser Ansicht nicht ganz allein.

270 Maßhalten StuhlkreisWorkshop Maßhalten

Es ist 07:45 Uhr. Schulbeginn. Die Klasse 7 a des AKG sitzt in einem Stuhlkreis im Klassenzimmer und die meis­ten Schülerinnen und Schüler wissen nicht genau, was sie in den beiden kommenden Tagen erwartet. Ein Kom­pe­tenz­trai­ning zum Thema Sucht und Drogen steht auf dem Programm, aber darunter können sich die meis­ten nicht so recht etwas vorstellen.

Das Kompetenztraining „Maßhalten – Aktiv gegen Sucht“ ist eines von drei Präventionsprogrammen, die in der Unterstufe des AKG angeboten werden. Ziel ist hier­bei die Sensibilisierung der Jugendlichen für das The­ma „Sucht und Drogen“ und die aktive Aus­ein­an­der­set­zung mit unterschiedlichen Facetten die­ses Themas.

In einem ersten Block steht die Wissensvermittlung über verschiedene Suchtformen und Dro­gen­ar­ten im Vordergrund. Die Bedeutung der Begriffe Sucht und Genuss wird erarbeitet und die Ju­gend­li­chen erkennen, dass die Grenze zwischen beiden Verhaltensweisen nicht eindeutig zu definieren, son­dern fließend ist.

270 Maßhalten SpielLebensnahe Rollenspiele

Die Schülerinnen und Schüler erfahren viel Wis­sens­wer­tes über die beiden „Gesellschaftsdrogen“ Alkohol und Ni­ko­tin, deren Gefahr sich vor allem aus der Griffnähe im Alltag ergibt. In diesem Zusammenhang wird zudem recht­li­che Aufklärungsarbeit geleistet und die Un­ter­schei­dung von le­galem, eingeschränkt legalem und ille­ga­lem Konsum erläutert.

Im Zentrum des Kompetenztrainings steht immer die Ver­mitt­lung und Stärkung von Lebenskompetenzen, die sowohl bei der Bewältigung eigener Pro­blem­si­tu­atio­nen als auch bei Krisen von Mitmenschen von großer Bedeutung sind. Durch Rollenspiele lernen die Ju­gend­li­chen sich und ihr Verhalten nicht nur besser kennen, sondern haben anschließend die Mög­lich­keit, ihr Handeln und dessen Folgen zu reflektieren und alternative Verhaltensmöglichkeiten zu erarbeiten.

Beim abschließenden „Lebenskreis“ werden zentrale Inhalte des Präventionsprogramms noch ein­mal zusammengefasst. Es geht um die Rolle, die Sucht im Alltag eines Menschen einnehmen kann. Die Schülerinnen und Schüler stehen in einem Kreis und geben verschiedene Gegenstände von Hand zu Hand weiter, in beide Richtungen. Diese Gegenstände symbolisieren die Lebensbereiche eines jungen Menschen (z. B. Buch für den Bereich Schule, Teller für den Bereich Familie, Handy für den Bereich Freunde). Irgendwann kommt die Sucht in Form einer „Super-Mario-Stoffpuppe“ ins Spiel und bringt alles völlig durcheinander. Sie wird in den Kreislauf geworfen und darf auf keinen Fall den Boden berühren. Alles Lebenswichtige wird der Sucht nun zwangsläufig untergeordnet, sie be­stimmt den Alltag und bringt den Menschen aus seinem Rhythmus. Wird die Sucht aus dem Kreis­lauf genommen, beruhigt und normalisiert sich alles wieder.

In den beiden Tagen ist es auf spannende und oft auch humorvolle Art und Weise gelungen, die Ju­gend­li­chen für das Thema zu sensibilisieren. Nicht der erhobene Zeigefinger stand im Mittelpunkt, son­dern die aktive, lebensnahe Auseinandersetzung mit dem Thema, einhergehend mit der Er­kennt­nis, dass ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl einen in vielen Situationen richtig han­deln lassen. Voraussetzung hierfür ist das Wissen um die eigenen Stärken und ein ver­trau­ens­vol­les soziales Umfeld.

Dorothea Steiger