... oder: Was Popkultur mit Amokläufen an amerikanischen Schulen zu tun hat

Hünemörder in actionDr. Hünemörder in Aktion: Gun Control an­schau­lich erklärt mit den 'Simpsons'

Um dieser Frage nachzugehen, fuhren vergangene Wo­che ca. 40 Schülerinnen und Schüler der Q 11 und Q 12 im Rahmen des Englischunterrichts zu einem Vor­trag mit dem Thema 'Guns, Gun Control and Mass Shoot­ings in the US' ins K1 nach Traunreut. Dr. Markus Hü­ne­mörder, Lehr­beauftragter an der LMU München und zu­ständig für Lehrerfortbildungen am Amerikahaus, hat­te für uns eine durchaus anspruchsvolle Prä­sen­ta­tion in englischer Spra­che vorbereitet, die zuerst auf die historischen Ent­wick­lun­gen einging, die für die un­glaub­li­che Zahl von bei­na­he 400 Millionen zivilen Feu­er­waf­fen in Amerika ver­ant­wort­lich sind. Im zweiten gro­ßen Block des Vor­trags ging es um die blutigen Fol­gen dieser Entwicklung, näm­lich die Amokläufe und Schießereien an amerikanischen Schulen, die sich einerseits in immer kür­ze­ren Zeiträumen ereignen und andererseits immer mehr Opfer for­dern.

Schon der Beginn der gut besuchten Veranstaltung sorgte bei so manchem für Gänsehaut - wir bekamen nämlich einen Crashkurs in Schusswaffenkunde: Was wird als 'handgun' bezeichnet, was ist eine 'semi-automatic weapon' und worin unterscheidet sich eine 'assault weapon' von einer 'assault rifle'? Nachdem diese grundlegenden Begriffe geklärt waren, ging es um die Frage, ob es innerhalb der USA Unterschiede bei der Verbreitung von Schusswaffen gibt und welche gesetzlichen Regelungen innerhalb der einzelnen Bundesstaaten bestehen. Generell ist zu sagen, dass Waffen in ländlichen Teilen Amerikas weiter verbreitet sind als in den großen Städten und dass sich die Bundesstaaten hauptsächlich darin unterscheiden, ob das offene Tragen von Waffen erlaubt ist oder ob diese in der Öffentlichkeit am Körper verborgen werden müssen.

Obwohl die Waffenlobby, allen voran die National Rifle Association (NRA) immer wieder betont, wie wichtig Waffen für eine wehrhafte Demokratie seien und dass daher jeder das Recht haben müsse, eine Waffe zu besitzen, zeigt ein Blick auf die Statistik, dass es hier auch eine dunkle Seite gibt: Im Jahr 2016 verübten in den Staaten ca. 23 000 Menschen Selbstmord mit einer Waffe, es starben 14 500 Leute bei Verbrechen durch Waffen, und ca. 500 wurden bei Unfällen versehentlich erschossen. Das wirft natürlich die Frage auf, ob es wirklich heutzutage noch sinnvoll ist, dass so viele Leute Zugang zu so etwas Gefährlichem wie einer Pistole haben sollten. Lösungsvorschläge gibt es viele - angefangen bei der Einführung von strengeren Waffengesetzen bis hin zu der Praxis, Lehrer an bestimmten Schulen bewaffnet in die Klassenzimmer zu schicken, damit sie sich und ihre Schüler bei Amokläufen besser verteidigen können. Leider scheint die Debatte, wie die Bedrohung durch Schusswaffen in den falschen Händen vermindert werden könnte, jedoch noch lange erbittert weitergeführt zu werden, denn auch hier zeigt sich das amerikanische Volk - genauso wie in anderen aktuellen politischen Fragen - tief gespalten. 

Bernhard Kosak, Foto: Rudi Heid