otto kleinProf. Jan-Christoph Otto

Wir konnten am 18. 10. 2017 zwei hochqualifizierte Re­fe­ren­ten zu Gast am AKG begrüßen: Herr Prof. Dr. Jan-Christoph Otto von der Universität Salzburg, Fach­be­reich Geographie und Geologie, und Frau Prof. Dr. Regine Keller von der Technischen Uni­ver­si­tät München, Lehr­stuhl­inha­berin für Land­schafts­archi­tek­tur und öf­fent­li­chen Raum.

Wenn man den Medien glaubt, nehmen Um­welt­katas­tro­phen immer mehr zu, oft wird im gleichen Atemzug dann der Klimawandel genannt. Prof. Otto suchte mit seinem Vortrag eine Antwort auf die Frage Na­tur­ge­fah­ren und globaler Wandel – wird das Leben auf der Erde ge­fähr­li­cher?

Laut einer Statistik der MunichRe nehmen beispielsweise Erdbeben seit den 1970er Jahren verstärkt zu. Gibt es somit seit 40 Jahren mehr Erdbeben als früher oder ist es vielmehr so, dass die Zunahme globaler Medientätigkeit und ausgefeilte Messmethoden Erdbebentätigkeiten einfach häufiger dokumentieren? Während in diesem Fall nur die Dokumentationsgenauigkeit und nicht der Prozess an sich zugenommen hat, kann man beim Auftreten von Hitzewellen, Wirbelstürmen oder Waldbränden eine prozessuale Zunahme beobachten. Ob diese Naturereignisse nun zu Naturrisiken oder gar Naturkatastrophen werden, hängt stark von der Vulnerabilität der Bevölkerung ab, also ihrer Anfälligkeit für Schäden. Hot-Spots der Bevölkerungsdichte wie Lagos mit bald 13 Mio. Einwohnern wird damit von Überschwemmungen durch einen steigenden Meeresspiegel empfindlich betroffen sein. Sozioökonomische Ungleichheiten werden in Zukunft entscheidend sein, wie eine Gesellschaft mit Naturereignissen umgehen kann.

Keller kleinProf. Regine Keller

Mit der provokanten Frage, „Wem gehört die Landschaft?“ begann Frau Prof. Keller ihren Vortrag. Je nach Standpunkt des Betrachters wird die Antwort anders ausfallen: Ein Landwirt bewertet die Reis­terrassen in Indonesien als ackerbauliche Nutzfläche anders als ein europäischer Tourist, der dorthin wegen der vermeintlich „schönen Natur“ reist. Eine Brachfläche in München ist für den Ökologen ein schützenswertes Biotop, für wohnungssuchende Studenten eine nutzlose Freifläche.

Landschaften bestehen heutzutage vermehrt aus Verkehrs-, Wohn- oder Industrielandschaften, die manchmal auch wieder „rückgebaut“ werden müssen. So hat man in Madrid den rio manzanares unter einer mehrspurigen Autobahntrasse wieder hervorgeholt und einen begehrten innerstädtischen Erholungsraum ge­schaf­fen, als „man-made-natur“. Ein ähnliches Phänomen stellt die ehemalige Hochbahntrasse (High Line) in Manhattan dar.

Wir werden lernen müssen, den Begriff Landschaft vielgestaltiger, kreativer und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter zu denken.

C. Lämmel