1 kleinProf. Hans Stötter (ganz rechts) und Prof. Jürgen Schmude (2. von rechts)
Plakat 150

Zwei führende Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kli­ma­for­schung referierten am 11. Ok­tober 2016 vor über 230 Schü­lern der Oberstufe des An­net­te-Kolb-Gymnasiums.

 

Welche Gemeinsamkeit haben Menschen und Dinosaurier?

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Dieser Frage ging Prof. Hans Stötter von der Universität Innsbruck (Department Geographie) in seinem Vortrag nach. Die Antwort ist, dass beide "ihr" geologisches Zeitalter bekamen: den Dinosauriern ihre Kreidezeit, den Menschen ihr Anthropozän.

Aber warum leben wir heute im "Anthropozän"? Der Mensch setzt heute mehr Masse auf der Erde um als alle anderen Akteure (Wasser, Wind usw.) auf der Welt zusammen. Begonnen hat diese Entwicklung mit "The Great Acceleration" am Ende der 19. Jahrhundert, mit dem Zusammenfallen von Industrialisierung, Be­völ­ke­rungs­ex­plo­sion und technologischen Entwicklungen. Die globale Erwärmung ist eines der Phänomene im Anthropozän, dem unter dem Schlagwort Klimawandel am meisten Aufmerksamkeit in den Medien geschenkt wird. Die Schmelzprozesse des Meereises und der Gletscher gelten als kritische Kippelemente im Klimahaushalt, abgesehen davor, dass unsere alpinen Gletscher wichtige Größen zur Wasserversorgung und Abflussregulierung darstellen. Hans Stötter betonte eindringlich, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Jugend sein wird, und eine der großen Herausforderungen darin bestehen wird, mit Selbstverantwortung auf den Klimawandel zu reagieren.

Kommen die "destination switcher" oder die "activity switcher"?

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Beides sind keine neuen Computerspiele sondern un­ter­schied­li­che Reaktionen auf die veränderten Schnee­bedingungen in den bayrischen Alpen im Winter. Die Wintersportler könnten in Zukunft ihre Ziele also in anderen, höher gelegenen, Regionen Österreichs oder der Schweiz suchen oder statt des Skifahrens andere Aktivitäten ausüben. Prof. Jürgen Schmude von der LMU München (Department Geographie) erläuterte in seinem Vortrag eben diese "Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersporttourismus". Aber nicht alles, was den Klimawandel betrifft, muss negativ interpretiert werden: So wird beispielsweise München in 50 Jahren Luft­tem­pe­ra­tu­ren wie Verona haben und zurecht als nördlichste Stadt Italiens gelten.

Unter den Zuhörern waren auch Frau Dr. Seeholzer (Klima- und Energiekonferenz des Landkreises Traunstein), Herr Dr. Stiehler (Energieagentur Südostbayern GmbH) und Frau Hahn vom Chiemgau-Tourismus. In einer anschließenden Gesprächsrunde ergaben sich spannende Pläne für eine zukünftige Verzahnung von Schule, universitärer Forschung und wirtschaftlichen Interessen in der Region.

Ch. Lämmel