Liebe, Intrigen, Machtgehabe - Das P-Seminar ‚Shakespeare for beginners‘ zeigte am 21. November die Vielfalt des weltberühmten Dramatikers.

IMG 1344Zwei Liebende: Julia verzehrt sich nach Ro­meo.

Wer glaubt, Shakespeare sei schon lange tot, der hat sich gründlich geirrt. Nicht nur, dass die zentralen Themen wie Liebe und Macht als immerwährende Topoi der Weltliteratur etabliert sind, sondern William Shakespeare, ‚Der Barde‘ selbst, führte leibhaftig durch den abwechslungsreichen Abend. Zu diesem hatte das 14-köpfige P-Seminar Englisch „Shakespeare for beginners“, geleitet von Alexandra Jira und Lisa Enzensberger sowie betreut von ihrer Lehrerin Mona Rechl, in die Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums geladen.

Lisa Enzensberger, die den wohl größten Dramatiker aller Zeiten gab, führte anhand von fünf ausgewählten repräsentativen Szenen aus Komödie, Tragödie und Historiendramen einfühlsam und selbstironisch in „sein“ Werk ein, damit auch Shakespeare-Neulinge seine unglaubliche Schaffenskraft und sein menschliches Einfühlungsvermögen erfahren konnten.

IMG 1350 3Als Shakespeare führt Lisa En­zens­ber­ger durch den Abend.

Das Publikum wurde zunächst vom Elf „Puck“ (Saskia Cloete) gewitzt durch den Sommernachtstraum mit all den Irrungen und Wirrungen zweier Liebespaare geführt und danach durfte man an der so bekannten Balkonszene aus „Romeo und Julia“ teilhaben, wohl wissend, dass diese Liebe tragisch enden würde. Als dann Brutus (Johanna Sundheimer) den Mord an Julius Caesar (Schul­leiter Bernd Amschler) zu rechtfertigen versuchte, wurde allen klar, wie man durch rhetorische Kraft die Massen zu seinen Gunsten manipulieren kann. Die Gegenrede von Marc Antonius (erneut Saskia Cloete) stellte den menschlichen Gegenpol her und der Intrigant Brutus wurde in aller Öffentlichkeit entlarvt.

Wenn man in der Pause den ersten Teil Revue passieren ließ, stellte man erstaunt fest, wie geschickt das multifunktionale Bühnenbild durch die gelungene Bühnentechnik ins rechte Licht gerückt wurde. Gerade die bewusste Reduzierung auf das Wesent­liche erlaubte einen reibungslosen Szenenwechsel und somit den Zuschauern ein müheloses Durchdringen der ver­schie­de­nen Welten. Und die Tatsache, dass im Gegensatz zur Zeit Shakespeares – in der nur Männer als Schauspieler infrage kamen – an diesem Abend ausschließlich junge Damen das Heft in die Hand nahmen, darf als probates Mittel zum Aufbrechen der klassischen Geschlechterrollen interpretiert werden – wieder ein Beleg für Shakespeares Zeit­losigkeit.

IMG 1352Brutus verteidigt seine Intrige.

Im zweiten Teil wurden anhand von Szenen aus ‚König Lear‘ sowie ‚Der Sturm‘ noch weitere Facetten von politischem und zwischenmenschlichem Spiel dra­ma­ti­siert. Die Stimmungen wären in der großen Aula wohl nicht so differenziert angekommen, wenn nicht Magdalena Lautenbacher durch ihr Harfenspiel die Szenen mit mittelalterlichen Klängen so wundervoll unterstützt hätte. Am Ende nahmen alle Beteiligten auf der Bühne ihren verdienten Applaus für ihr Spiel oder das Schnei­dern der Kostüme sowie das Anfertigen des Bühnenbilds entgegen. Spätestens dann stellten noch viele ‚Begin­ners‘ aus dem Publikum fest, dass sie den großen Dich­ter nicht nur im elisabethanischen Englisch folgen konn­ten, sondern dass sie Lust auf mehr bekommen ha­ben... Und was könnte man Besseres erreichen?

Rudi Heid

IMG 1289 1Puck verzaubert die Liebenden.

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