Studientag 15 LMU mittel
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Zum Studientag der Geowissenschaf­ten wurden erstklassige Re­fe­ren­ten am AKG von rund 230 Ober­stu­fen­schü­lern be­­grüßt.

Zwei Professoren von der Ludwig-Maxi­mi­li­an-Universität München machten den Schülern Lust auf ein Studium der Geowissenschaften, da beide in Ihren Vorträgen zeigen konnten, wie wis­sen­schaft­liches Reisen und Forschen in der Natur kombiniert mit dem notwendigen Hand­werkszeug aus Mathematik, In­for­ma­tik und Physik zu erstaunlichen Er­geb­nis­sen führen kann.

Ein Planet am Zittern - was uns seismisches Rauschen über das Erdinnere erzählt

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Wer hat das Erdbeben am 21.10.15 abends mit­be­kom­men, frage der Geophysiker Heiner Igel. Keiner der Anwesenden konnte sich an ein Erdbeben am Vorabend erinnern, obwohl das Ereignis eine Stärke von 7,1 MW hatte. Der Grund liegt darin, dass es genau auf der anderen Seite der Erde auf Vanuatu passiert ist und niemand zu Schaden gekommen ist. Erdbeben ereignen sich rund um den Erdball ständig, und dieses seismische Rauschen richtig zu interpretieren und vor zukünftigen Beben zu warnen, ist eine der größten Heraus­for­de­run­gen der Geophysik. Dass sich aber auch vor unserer Haus­tür nennenswerte Erdbeben, ausgelöst durch Stark­re­gen­ereignisse abspielen, demonstrierte Prof. Igel mit einer Animation der seismischen Aktivität am Staufen.

Zur Berechnung der Erdbebenwellen nutzt das Münchner GeoZentum die größten Rechner der Welt. Durch Methoden der Computertomographie können die Geophysiker inzwischen das durch Meereswellen erzeugte seismischen Rauschen analysieren – laut Prof. Igel das "Coolste, was die Seismologie in letzter Zeit erlebt hat".

Klimawandel und seine Auswirkungen für den Tourismus in Bayern

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Dass unsere Winter immer wärmer werden, ist für uns Traunsteiner ja nichts Neues mehr – dass es aber tatsächlich in den Jahren 2031 – 2060 nur noch 50-60 Frosttage statt bisher 80-90 geben soll, ist schon verblüffend. Derartige Szenarien entwickelte der Wirtschaftsgeograph Jürgen Schmude vor den Augen der Schüler. Speziell die Folgen des Klimawandels für den regionalen Tourismus standen in dem Projekt GLOWA-Danube im Mittelpunkt. Das 77.000 km² große Untersuchungsgebiet wurde in 182479 "Proxel" mit je 1 km³ Volumen aufgeteilt, um mit Hilfe eines Szenario­baukastens regionale Auswirkungen des Klimawandels errechnen zu können. Wenn beispielsweise in den nächsten 50 Jahren nur noch 45 statt 80 Tage mit einer sicheren Schneedecke im Winter zu rechnen ist, dann werden sich einige Skigebiete durchaus Alternativen zum Wintersporttourismus überlegen müssen. Zudem spricht man in der Tourismusforschung von einem "Christmas-Easter-Shift": die idealen Skitage werden in Zukunft nicht mehr während "weißer Weihnachten" stattfinden sondern in den Faschings- und Osterferien stattfinden. Allerdings steht dann die biologische Uhr der meisten Menschen schon auf Sommer.

Als besonders Gelungen wurde von den Schülern nach den Vorträgen hervorgehoben, dass beide Referenten an vielen regionalen Beispielen in sehr ansprechenden Präsentationen zeigen konnten, wie spannend Wissenschaft in der Gegend um Traunstein sein kann.

Vermittelt wurde der direkte Kontakt zwischen Wissenschaft und Schule über die Vermittlungs-Plattform der Forschungsbörse der Wissenschaftsjahre: Mehr als 670 Forscherinnen und Forscher beteiligen sich bereits in der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und besuchen Schülerinnen und Schüler im Unterricht.

C. Lämmel