Wie kann es sein, dass ein unbescholtener Staatsbürger zum Terroristen wird? Warum kann vermeintlicher Glaube über jegliche Vernunft siegen? Und warum sollten wir als aufgeklärte Gesellschaft dieses Thema offen und kritisch angehen?

Christian Hanreich liest aus Morton Rhues 'Dschihad online'Christian Hanreich liest aus dem aktuellen Roman von Morton Rhue für die Jgst 10 des Annette-Kolb-Gymnasiums

Diese und weitere Fragen wurden bei der be­ein­drucken­den Lesung von Christian Hanreich aus Morton Rhues Roman ‚Dschihad online‘ aufgeworfen, die in der Bibliothek der Stadtbücherei Traunstein stattfand.

Die Schülerinnen und Schüler wurden durch die gelesenen Szenen und die darauf folgenden Gespräche für die Brisanz des Themas sensibilisiert und Er­klä­rungs­ver­su­che wurden gewagt.

Auch wurde die Frage thematisiert, warum der Roman in den USA noch nicht veröffentlicht wurde, wo er in der deutschen Übersetzung doch bereits seit Längerem auf dem Markt ist.

Christian HanreichChristian Hanreich liest fesselnd...

Im Zentrum des Ro­mans steht Khalil, des­sen Eltern aus Bosnien stammen und die im Rahmen der ‚ethnischen Säuberungsaktionen‘ in die USA flohen, wo der Protagonist dann zur Welt kommt. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Amir hat er somit die amerikanische Staats­bürgerschaft und könnte ein ganz normales Leben führen mit High School, Freundin und Feten - und er tut dies auch, bis sein älterer Bruder durch den Konsum gewalttätiger Videos islamistischer Hassprediger die westliche Welt zum Feind erklärt. Und er zieht seinen jüngeren Bruder mit hinein.

In Rückblenden wird die unbeschwerte Jugend der beiden immer wieder mit der harten Realität kontrastiert: Flucht vor den Behörden, Diebstähle und andere Kriminaldelikte bis hin zur Planung eines Terror­anschlags.

image002... und die Schülerinnen und Schüler lassen sich in den Bann ziehen.

Durch den sehr aus­drucks­star­ken Vortrag von Herrn Hanreich konnte man sich dem Sog der Handlung auch nur schwer entziehen und man konnte vieles nach­empfinden, was einem in unserer ‚heilen Welt‘ als so unbegreiflich erscheint - und gleichzeitig musste man die illegalen Taten als moralisch verwerflich und der aufgeklärten Welt widersprechend verurteilen. Aber nicht nur die Täter, sondern auch die Gesellschaft, die ausgrenzt, musste sich diesem Urteil stellen.

Und so verließen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 die Lesung mit gemischten Gefühlen und bei manchen wirkt sie sicher noch nach, denn es wurde klar, dass Ausgrenzung keine Antwort auf Radikalismus sein kann.

Rudi Heid